
„Walpurgisnacht!“, sangen die Hexen, „heia Walpurgisnacht!“ Zwischendurch meckerten, krähten und kreischten sie, ließen es donnern und schleuderten Blitze. Die kleine Hexe mischte sich unbemerkt unter die Tanzenden. „Heia, Walpurguisnacht“, sang sie aus voller Kehle. Sie wirbelte mit um das Hexenfeuer…
Aus: Die kleine Hexe. Otfried Preußler. Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart. 15. Auflage, 2019. S. 9.
Einmal auf dem Blocksberg mit den anderen Hexen die Walpurgisnacht zu feiern. Das ist der größte Wunsch der kleinen Hexe – und mit Sicherheit denken auch heute einige von uns wehmütig an die Walpurgisnacht, die dieses Jahr leider nicht draußen mit Freunden und Familie gefeiert werden kann.
Wirklich populär wurde der Ausdruck „Walpurgisnacht“ erst mit Goethes Faust I. Doch die Tradition liegt viel länger zurück. Die Kelten entfachten in der ersten Vollmondnacht nach der Tagundnachtgleiche ein Feuer, um das Ende der dunklen Jahreszeit und die Fruchtbarkeit der Natur zu feiern. Die Naturgöttin – von den Germanen dann „Walburg“ genannt (der große Mutterbauch)vereinigt sich mit dem Sonnengott, man tanzte und sprang wie heute durch und um das reinigende Feuer.
Der christlichen Kirche gefiel ein solches Gebaren nicht – Verliebte die um ein Feuer springen – und verbot das heidnische Treiben. Sie weihte den Festtag kurzerhand der englischen Ordensfrau Walburga, die angeblich am 1. Mai 870 heiliggesprochen wurde und fortan als die Schutzheilige gegen Pest, Husten und Tollwut galt. Die alten Bräuche wurden als Teufelszeug abgetan und so nahmen die Dinge ihren Lauf: Die Menschen feierten heimlich und liefen verkleidet und vermummt zu den Kultstätten. So verbreitete sich die Vorstellung von einer Walpurgisnacht, in der Hexen auf dem Brocken (dem Blocksberg) um das Feuer tanzten und ihre Kräfte den bösen Mächten weihten, rasch.
Bis heute haben die Walpurgisnächte etwas Magisches. Während die Funken neben einem sprühen, die Flammen lodern und das Feuer knistert, man allen Mut zusammen nimmt, spürt man während des Sprungs die unbändige Kraft des Lebens und ein wohliger Schauer läuft einem über den Rücken. Der Gang zwischen zwei Maifeuern soll übrigens eine reinigende Wirkung haben und Seuchen fernhalten – dieses Jahr könnte man zwischen zwei Kerzen im Wohnzimmer oder zwischen zwei Fackeln im Garten wandern.
Das Jahreskreisfest ist auch eine gute Gelegenheit zum Räuchern, hierfür eignen sich traditionelle Heilpflanzen wie Wacholder, Salbei, Holunder, Johanniskraut, Beifuß, Salbei, Lavendel, Rosmarin und Schafgarbe.
Eine Wiesenkräuterlimo mit Giersch, Gundermann und Apfelsaft schmeckt herrlich. Wer ihn findet, kann die Limo mit Waldmeister ergänzen. Zwei Handvoll Kräuter bündeln und mit den Händen leicht zerkneten. In ein Gefäß geben, mit einem Liter Apfelsaft aufgießen und anschließend im Kühklschrank ziehen lassen. Danach mit Mineralwasser auffüllen. Das erfrischende Rezept findet ihr bei @blattunddorn, die ein absoluter Profi in Sachen Wildkräuter ist.
Den Coronaabstandszeiten angepasster ist folgender Brauch: Die Männer stellen der Liebsten einen geschmückten Maibaum, als Symbol der Fruchtbarkeit, vor die Tür (ein Zweig tut’s natürlich auch). Vielleicht passiert ja wirklich ein Maiwunder.
(Quellen: zvab.com/antiquarische-buecher/walpurgisnacht-literatur.shtml und wikipedia.org/wiki/Walpurgisnacht sowie: Das Jahreszeitenbuch. Christina Kutik und Eva-Maria Ott-Heidmann. Verlag Freies Geistesleben. 7. Auflage, 1996. S. 84.)





